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Die goldene Kutsche


Maria befindet sich auf der Reise nach Mexico. Sie schaut aus dem Fenster des Zugabteils und sieht eine seltsame Farbe am Horizont. Ein bisschen unheimlich wird es ihr schon, so eine seltsame Farbe hat sie noch nie gesehen. Sie nimmt ein Buch in die Hand und fängt an zu lesen.

Mittlerweilen ist es spät geworden und sie ist vom lesen müde, ihre Augen fallen fast von selber zu. Sie legt das Buch zur Seite und  blickt kurz zum Fenster hinaus. Der seltsam verfärbte Horizont ist immer noch sichtbar. Es scheint ihr als würde die Farbe sie verfolgen. Der schweif am Himmel begleitet sie scheinbar in die Nacht hinein. Sie denkt sich  nichts weiteres dabei, muss anfangen sich vor zu bereiten, in einer viertel Stunde wird sie aussteigen, den sie ist am Ziel ihrer Reise angekommen. 

Durch den Lautsprecher hört sie wie eine Stimme sagt:
" Entstation, bitte alle aussteigen". Nun war sie also in Mexicocity angelangt. Maria steigt aus, in Gedanken vertieft sucht sie ihren Vetter Martin. Wo ist er denn bloss. 
Da, sie hat ihn entdeckt und geht auf ihn zu. " Hallo Maria, freut mich dass du da bist. Wie war die Reise ? " Maria antwortet ganz leise und müde von der Reise: " Danke, ich kann mich nicht beklagen". Martin sagt: " Gut, dann wollen wir gehen, Mutter wartet schon auf uns." Sie geht hinter ihm her und steigt ins Auto. Die Fahrt bis zum Haus, wo Martin mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern wohnt, dauert eine Weile, denn sie wohnen ausserhalb der Stadt. 

Nach ungefähr einer halben Stunde kommen sie an. Tante Monika wartet bereits ungeduldig und neugierig vor der Haustür und kommt Maria entgegen. Sie hilft ihr beim aussteigen und nimmt sie liebevoll in die Arme. Hattest du eine gute Reise? " - "Ja danke, Tante" antwortet Maria ein bisschen schüchtern. "Martin, könntest du Marias Koffer bitte ins Gästezimmer tragen", fragt die Tante Martin. " Aber selbstverständlich Mutter, ich erledige es sofort."

Die Eingangstür ist sehr gross, man kommt sich vor als würde man einen Palast betreten. Sie gelangen in den Salon wo bereits Sonya und Laura auf Maria warten. Sie kennt die beiden noch nicht, denn als sie das letzte mal bei ihrer Tante war, waren die beiden nicht anwesend. "Das ist eure Cousine Maria" sagt die Mutter zu Sonya und Laura. Sonya reicht Maria die Hand und begrüsst sie mit Wangenküsse. Auch Laura umarmt Maria. "Hoffentlich freundet ihr euch schnell an." meint die Mutter zu den Mädchen. "Wie geht es dir Maria" möchte Sonya wissen. "Danke soweit gut, die Reise war ein bisschen anstrengend, doch ich konnte viel bestaunen, so eine Zugreise ist immer was tolles" meint Maria. Sie unterhalten sich noch ein bisschen und dann begleitet Laura, Maria in ihr Zimmer und hilft ihr beim auspacken. 

Sonya hilft inzwischen der Mutter beim vorbereiten des Nachtessens. Laura zeigt Maria wo alle Zimmer sind und geht mit ihr durch das grosse Haus. "Hier ist Martins Zimmer, gleich daneben das von Sonya und dieses hier links ist Mutters Zimmer" sagt Laura und fügt noch hinzu "Mein Zimmer ist neben deinem auf der linken Seite, ich zeige es dir dann später" 

Die Farben in Marias Zimmer sind wunderbar, so schön aufeinander abgestimmt und es sieht fast gleich aus wie das von Laura. "Wieso sind denn die Zimmer fast genau gleich?" fragt Maria. "Das war von meiner Zwillingsschwester, leider ist sie von ein paar Jahren durch ein tragisches Unglück von uns gegangen" antwortet Laura. "Das tut mir sehr leid, ich wusste dies gar nicht, meine Mutter hat nie etwas davon erzählt" sagt Maria mit einem leisen ton, so als wäre es ihr peinlich gefragt zu haben. Laura sagt:" Maria, du darfst einfach nichts Mama fragen, sie leidet sehr darunter und wenn sie zurück denkt, dann weint sie oft stundenlang". "Keine sorge Laura, ich verspreche dir nichts davon zu erwähnen" schwört Maria. 

Eine Stimme ruft vom unteren Stockwerk. "Das Essen ist fertig". "Wir kommen gleich runter", antwortet Laura. Sie beeilen sich, möchten nicht dass die andern warten müssen. Das Essen schmeckt sehr gut, etwas aussergewöhnlich. Maria ist mexicanisches Essen nicht gewöhnt.  Doch es schmeckt ihr ausgezeichnet. Sie unterhalten sich über verschiedenes. Die Verwandten sind neugierig, was Maria so alles zu berichten hat. Doch Maria wird langsam müde, sie möchte ins Bett gehen und fragt  Tante Monika:" Tante, ich bin müde von der Reise, wenn es euch nichts ausmacht, möchte ich schlafen gehen". 

"Geh nur meine liebe, geh nur." Maria verabschiedet sich von den andern. "Gute Nacht zusammen, bis morgen" - "Gute Nacht Maria." tönt es aus allen Mündern gleichzeitig. Langsam steigt Maria die Treppe hoch und geht Richtung Zimmer. Sie öffnet die Türe und bleibt wie angewurzelt stehen. Auf dem Bett sind wieder diese komischen Farben, die sie bereits im Zug gesehen hatte. Sie bekommt Angst. Was soll sie machen. Soll sie Martin rufen. Doch der würde die Farben vielleicht nicht sehen und was würde er dann von ihr denken. 

Soll sie Laura rufen. Mit ihr versteht sie sich doch blendend, doch was wenn auch Laura die Farben nicht sehen kann. Mit pochendem Herzen geht sie aufs Bett zu und nähert sich den Farben. Je näher sie an sie herankommt. umso mehr fängt sie an zu erkennen, dass es sich zu einer Kugeln verformt. Sie erschrickt, möchte schreien. Doch ehe sie schreien kann sagt eine Stimme: "Schreie nicht, sonst bin ich verloren". 

Maria bleibt geschockt stehen. Doch sie erholt sich schnell von dem schrecken und fragt: " Wer ist eigentlich da ?" Die unsichtbare Stimme sagt wieder: " Du brauchst vor mir keine Angst zu haben, ich möchte nur dass du die Kugel nimmst und sie zerbrichst." - "Warum den ? " möchte Maria wissen. "Ich darf es dir nicht sagen", antwortet die Stimme. "Doch ich möchte dass du tust was ich dir gesagt  habe. Ich verfolge dich schon seit du zuhause weggefahren bist, weil ich denke dass du die richtige bist. 

Plötzlich ist die Stimme weg. Maria versucht zu rufen. Doch keine Antwort mehr. Sie überlegt was sie machen soll. Dann redet  sie mit leiser Stimmt vor sich hin. "Muss wohl tun was er verlangt hat, wird schon seinen Grund haben."  Sie nimmt die Kugel in die Hand und zerschlägt sie mit voller Wucht. Das war natürlich nicht zu überhören und es geht nicht lange, da steht Martin  in ihrem Zimmer. "Was war denn das ? " will er wissen. "Nichts, ich habe nur eine Kugel fallen lassen, die ich als Andenken mitgenommen hatte". Antwortet Maria. "Das ist aber schade", meint Martin. " Das macht nichts, ich kann ja wenn ich wieder mal nach Hause gehen und mir eine neue kaufen", antwortet Maria. "Gut dann geh ich wieder" sagt Martin und geht.

Am nächsten Tag kommt ein Brief für Maria an. Sie denkt noch wer ihr wohl schon hierher geschrieben haben könnte. Es wissen ja nicht viele wo sie jetzt ist. Neugierig öffnet sie den Brief. Sie fängt an zu lesen. Der Text, ein bisschen verwirrend, doch Maria liest gespannt was im Brief steht." Sie werden überrascht sein, diesen Brief zu erhalten. Doch sie haben es mit recht erhalten. Morgen wird eine Kutsche sie abholen um alles weitere zu besprechen." 

Am nächsten Tag kommt tatsächlich eine Kutsche angefahren, jedoch nicht eine normale, sie ist aus Gold. " Maria, was ist den das ?" fragt Martin erstaunt. "Martin, ich weiss es nicht, doch ich möchte dass du mich begleitest. Die Kutsche wird mich irgendwohin bringen und alleine habe ich ein bisschen Angst." sagt Maria zu Martin. "Klar doch, ich werde mitkommen." antwortet Martin. 

Sie setzten sich in die Kutsche und fahren los. Die Reise dauert Stunden. Es ist bereits Abend als sie am Ziel ankommen. Maria hält sich an Martin fest, die Angst weicht nicht von ihr. Sie betreten ein Schloss. Im Empfangsraum sagt man ihnen, sie sollen sich ein bisschen Gedulden.

Nach einer Weile kommt ein Herr hinein der sich als Lord Murtof ausgibt. Maria fragt." Was bitte soll das ganze, dürfte ich es nun erfahren?". "Nun gnädige Lady, es wurde mir von ihrem Vater befohlen, das ich sie hierher einladen müsste." sagte Lord Murtof. "Mein Vater ?" antwortet Maria erstaunt. "Mein Vater ist doch schon lange Tod, das hat mir meine Mutter immer so gesagt". Lord Murtof antwortet ganz gelassen." Was ihre Mutter ihnen erzählt hat, stimmt.  Doch Ihr Vater hat mir den Auftrag gegeben sie zu suchen" und Lord Murtof erzählt weiter: " Die suche war nicht einfach, doch ihr Vater meinte nur, ich würde sie schon erkennten wenn ich sie gefunden hätte." Er erzählte Maria auch, dass er sie Jahrelang gesucht habe, er hätte nie gewusst wo er suchen solle. Er hatte nicht viel angaben von ihr. Dann erzählte er von einem Traum den er hatte und das er seit diesem Tag wusste er wen er suchen müsse. Und er habe gestern einen Zettel mit ihrem Namen gefunden, mitten in alten Papieren. Maria wird unruhig: " Ich möchte endlich wissen was ich hier soll und warum das ganze". Lord Murtof antworte immer noch ruhig und gelassen: " Nun Maria beruhigen sie sich bitte, ich muss sie im Namen ihres Vaters Zu Lady Maria von Dunley ernennen." "Somit gehört dieses Schloss ihnen und ich werde bis an mein Lebensende in ihren Diensten stehen." 

Maria schaut zu Martin und versteht immer noch nichts von alledem was gerade gesehen ist. Maria hatte nicht bemerkt, das sie sich noch fester an Martin klammerte. Sie ist auch erblasst. Martin hält sie fest.
Maria fängt sich langsam und sagt zu Lord Murtof: " Wenn dies der Wille meines Vaters ist, werde ich alles tun was in meiner Macht steht und das Schloss hüten wie es mein Vater getan hätte." 

Es sind Monate vergangen und Maria schreibt Martin Briefe. Martin schien von ihr angetan zu sein und wollte sie unbedingt besuchen. Es ist inzwischen Sommer geworden und Maria sitzt im Garten. Ein Auto fährt vor. Es ist Martin. "Maria bin ich froh dich endlich wieder sehen zu dürfen" und er fährt mit seinen Worten fort. "Maria ich bin nicht aus Plausch hier, sondern um ernsthaft mit dir zu reden." Maria will wissen über was. Sie gehen ins Haus und Martin fragt Maria: " Maria ich bin gekommen um dich zu fragen ob du meine Frau werden möchtest". Maria ist erstaunt und sagt zu Martin: " Ich möchte es mir erst überlegen."

Sie geht aus dem Haus und kehrt nicht mehr zurück.
Martin wartet Tagelang auf Maria. Dann fährt er zurück in der Hoffnung dass sie bei ihnen zuhause sei. Doch sein Hoffen war vergebens. Maria ist spurlos verschwunden. Monate vergehen und das Schloss wurde von Tante Monika verkauft. Das Geld vom Erlös hat sie auf die Bank gebracht und hofft verzweifelt,  dass Maria doch noch auftauchen würde. Keiner weiss warum sie einfach wegging ohne zu sagen wohin und weshalb. Martin macht sich vorwürfe. Fühlt sich schuldig. Weiss jedoch nicht was er falsches getan, oder gesagt haben sollte. Solange Maria nicht auftaucht. Kann niemand das Rätsel lösen.

Es vergehen weitere Monate. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und Martin ist traurig. Tante Monika kann ihrem Sohn die Last nicht von den Schultern nehmen und ihm das Gefühl von Schuld an Marias verschwinden nehmen. Er ist sehr traurig. Will nichts mehr Essen und fängt an Krank zu werden. 
Sonya und Laura die von allem nicht verstehen, was in Maria vorgegangen sein muss. Gehen auf die Suche nach Maria. Sie durchreisen Wälder, Städte und hoffen irgendwo Maria zu finden. Nach unendlicher Suche, finden Sie Maria als Bettlerin in einer alten Stadt, Meilenweit von Zuhause weg. 

Als Maria sie sieht erschrickt sie. Fragt: " Warum seit ihr auf der Suche nach mir, warum sucht Martin mich nicht selber ? " "Maria verzeih uns, dass wir dich gesucht haben. doch Martin hat die Kraft nicht mehr dazu" sagt Sonya. Laura fügt noch hinzu:" seit du weg bist ist Martin von Tag zu Tag schwächer geworden". Dann erzählen Sonya und Laura von dem was alles seit ihren verschwinden geschehen ist. Das Mutter Monika das Schloss verkaufen musste und das sie das Geld von Verkaufserlös auf die Bank getan habe. Maria hörte neugierig der Geschichte zu und beschliesst Martin eine Mitteilung zukommen zu lassen. 

Da ihr Sonya und Laura erzählt haben, dass es ihm nicht gut geht, weiss sie nun das Martin sie aus liebe heiraten wollte und nicht wegen dem was aus ihr geworden war. Sie schreibt Martin einen Brief und bittet ihn sie zu suchen so wie es seine Schwestern getan haben. Die beiden Cousinen fahren nach Hause und überbringen Martin den Brief. Als er liest was Maria alles geschrieben hat, macht er sich auf die Suche nacht ihr. Er weiss auch, dort wo sie war ist sie bestimmt nicht mehr. Er sucht und sucht und findet sie Monate später. Als Maria ihn sieht muss sie weinen. Er hat sie aus liebe gesucht. Martin ist sprachlos, hat er doch gelitten wegen ihr. Hat er sich doch über all diese Monate und Jahre vermisst. 

Maria fragt ihn ob er die Antwort auf seinen Heiratsantrag noch wissen möchte. Martin möchte es wissen und sagt " Ja, Maria ich möchte die Antwort wissen, habe lange genug darauf warten müssen." Maria nimmt Martins Hände und schaut ihm ganz tief in die Augen. 
"Ja  Martin, ich möchte deine Frau werden, denn nun weiss ich dass du mich liebst und nicht Lady Maria von Dunley nur wegen dem Prunk den ich hatte, in mir gesehen hast und mich deshalb wolltest."

Martin ist glücklich und sagt ihr: " Maria ich habe dich bereits geliebt noch bevor du deine Schloss bekommen hattest, verzeih mir, dass ich es dir nicht anders gezeigt habe".

Sie fahren nach Hause und Tante Monika ist überglücklich, die verlorene Nichte wieder gefunden zu haben. Maria kauft mit dem Geld das Schloss zurück und dort leben sie nun alle glücklich und zufrieden. 

Die Geschichte von Maria wollte zeigen, dann man den Menschen lieben sollte, für das was er ist und nicht das was er hat. Niemand der viel hat kann glücklich sein, wenn er die liebe nicht innerlicher fühlen kann und niemand der nichts hat , ist glücklicher als zu wissen das man von Herzen liebt und geliebt wird.

(c) Copyright -  Gilandra - Schweiz - 2006  

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