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Warum immer ich?

Lange, sehr lange sass ich vor diesem Blatt. Was sollte ich schreiben?

Ein Gedicht? Eine Kurzgeschichte oder vielleicht eine Kombination von beidem?

Der Titel ist ja einfach, dachte ich mir, doch man kann sich täuschen. Wer von uns denkt nicht mehrmals im Jahr, vielleicht sogar monatlich, warum immer ich?  Was verstehe ich unter dieser Frage? Ich versuche meine Gedanken in Worte zu verpacken. 

Warum immer ich? Muss ich immer für andere die, wie sagt man so schön, Kastanien aus dem Feuer holen. Wieso kann ich den andern nicht die falsch ausgeführten Handlungen, wieder selber richten lassen? Warum muss immer ich, da Lösungen suchen? Ist es wirklich etwas, was mich persönlich betrifft? Eigentlich nein. Oder ich könnte mir die Frage stellen. Warum immer ich, krank werde. Es scheint ja bei mir wie ein roter Faden, der sich über Jahre durch mein Leben hindurch zieht. Liegt es vielleicht an meiner Lebenseinstellung, oder an mir selber? Löse ich vielleicht vieles selber aus? 

Sehr oft habe ich mich diese Frage gestellt und ich habe bis heute noch keine Antwort gefunden. Also könnte ich hier sagen, dass es mit Sicherheit noch viele gibt, die sich diese Fragen stellen. Dann wäre ja noch die Möglichkeit die  Frage auf ein anderes Thema zu lenken. Warum immer ich, ohne Arbeit da stehe? Eine sehr gute Frage. Wie oft habe ich die Arbeitsstellen gewechselt und wie oft ging es schief. Lag es an mir? An meinen Krankheiten? An meiner Denkweise? Wie ich sehe, kann ich auch hier keine logische Antwort finden. Also sitze ich nun hier bei knapp 200 geschriebenen, von den möglichen 3000 Worten. Immer noch mit der Meinung, dass sollte doch machbar sein. Kurz das Gehirn einschalte, weitersuchend, überlegend. Was könnte ich noch zu dem Thema schreiben.

Ach ja, warum immer ich, scheinbar Grosszügig und hilfsbereit, immer und immer wieder ausgenutzt werde? Ist es so abnormal für andere da zu sein, sich aufzuopfern, nichts zu verlangen und sich dann hinterher doch beklagen, dass man ausgenutzt wurde.

Wenn ich mir das jedoch genau überlege, eine Pionierarbeit leiste ich damit ja nicht. Weil im selber Boot wie ich, sich noch manch anderer Mensch auf diesem Planeten die gleiche Frage gestellt hat.

Da wäre auch die Frage, warum immer ich, mich einsam fühle? mit Sicherheit angebracht. Habe ich nicht eine Familie, Eltern, Geschwister, einen Mann, Sohn und ein paar sehr gute Freundschaften? Wieso muss ich mich da die Frage, der Einsamkeit stellen?  Wieso fühle ich mich immer einsam? Könnte es an mir liegen, bin ich unzufrieden? Wie viele Menschen wären froh sie hätten das alles was ich habe und doch kann mit niemand das Gefühl der Einsamkeit nehmen. Warum immer ich, mich so fühle?

Vielleicht und da könnte ich fast behaupten, liegt es an mir, an meiner Denkweise, meine Vorstellungen, meine Wünsche, Sehnsüchte und Ziele. Also scheint mir hier diese Frage fast beantwortet zu sein. Mein kleines Ego, macht mir wohl bei dieser Frage einen strich durch die Rechnung. Werden all meine Bedürfnisse nicht von den mir nahestehenden Menschen abgedeckt, fühle ich mich einsam. So ein Witz eigentlich, denn das würde bedeuten, dass ich ein höchst unzufriedener Mensch bin. Was dann die nächste Frage über den Haufen werfen würde.

Warum immer ich, mich freuen kann, wenn ich am blauen Himmel die sanften, flauschigen, schönen Wolken betrachte. Während ich mit dem Auto, landwärts fahre. Habt ihr diese Seite von eurem Leben auch schon beobachtet? Wenn nicht, dann fangt mal damit an. Wie belebend es doch zu sein scheint, sich über solche kleine Naturwunder zu freuen. Nicht, dass man nun denkt ich sei ein total angefressener Naturschützer, nein zu denen gehören ich leider noch nicht so ganz. Auch ich lasse mal eine Zigarettenkippe fallen. Was mich nun nachdenklich stimmen sollte. Warum immer ich, mich über die Natur freuen kann und doch nicht sachte mit ihr umgehe. Ein total Gegensatz der irgendwie nicht ins Konzept passt.

In meinem Konzept? Nein, so denken bestimmt viele andere. Da wäre dann noch die Frage, warum immer ich, mich über den Regenbogen freuen kann, fast so als wäre ich richtig süchtig nach ihm. Jedes mal wenn die Sonne einen bestimmten Winkel hat und es draussen regnet, renne ich von einem Fenster zum andern, um den Regenbogen zu suchen. Wenn  ich ihn dann erspähe, Gott welche Freude, sich durch mein Bewusstsein schleicht. Aber das ist doch auch Natur oder? Kann man so was zerstören? Ich denke schon, aber Beweisen werde ich als kleiner Punkt Mensch auf diesem Planeten, dies mit Sicherheit niemals.

Hier lege ich eine kurze Pause ein, möchte mal nachzählen ob ich dem Ziel näher bin als ich vielleicht mir zu erträumen wage.

So es kann weitergehen, bin vom Wörter zählen zurück. Leicht enttäuscht musste ich feststellen, dass ich noch nicht mal ein Drittel der maximal vorgeschriebenen Worte erreicht habe. Knapp 800 Worte waren es bisher. Genau hier kann ich das nächste, warum immer ich ansetzen. Warum immer ich, enttäuscht bin? Habe ich tatsächlich gedacht, man könnte sich hinsetzen, den Gedanken freien Lauf lassen und im Nu wäre so eine Geschichte, mit so einem relativ schweren Fragesatz, aus dem Ärmel geschüttelt.  

Also überlege ich kurz was das Wort Enttäuschung bedeutet. Ist es ein sich Täuschen, sozusagen sich selber im Weg stehen, weil dass was man gedacht hat, nicht der Realität entspricht? Oder täuscht man sich weil, die  gesteckten Ziele ferne sind als man dachte? Wenn  man dann jedoch einsieht man hat falsch gedacht, warum ist man dann trotzdem Enttäuscht? Und wie bitte erklärt man sich, dass von anderen enttäuscht  werden. Stellt man sich dann die Frage, ob man von den andern zuviel erwartet hat oder ob man sich in der ersten Analyse getäuscht hat. Jeder Mensch durchleuchtet doch irgendwie den andern. Die Personalchefs tun dies ja auch, also täuschen sich auch jene, die andern einen Job geben und sind dann im nachhinein enttäuscht über die Wahl. Doch wie wird gewählt? Von was lassen wir uns blenden, wenn wir Menschen begegnen, die uns dann  enttäuschen?

Ehrlicherweise muss ich hier nun notieren, dass ich zwei oder waren es drei Tage pause gemacht habe. Auf der Suche nach noch mehr, warum immer ich’s. Langsam wird mir bewusst, dass es nichts gibt, was ich als mein eigenes, warum immer ich, benennen könnte.  Obwohl mir frühmorgens um halb fünf eine sehr wichtiges, warum immer ich, auffällt.

Warum immer ich, durch meine Familienmitglieder geweckt werde, wenn diese so früh zur Arbeit gehen. Wie oft habe ich schon gemotzt, sie sollen doch leiser sein. Da es wieder passiert ist, kommt die Frage hoch, warum immer ich, meiner Meinung nach ohne Respekt behandelt werde? Ist es wirklich Respektlosigkeit? Sollte ich nicht froh sein, dass sie Aufstehen und zur Arbeit gehen. Weil dies bedeutet, sie haben einen Job. Trotzdem denke ich, dass es mein Recht ist, durchschlafen zu dürfen. Zumal ich mich in einer Phase der Genesung befinde. 

Ich war sehr lange krank und brauche doch nun meinen Schlaf. Da stelle ich mir doch gleich die nächste Frage. Warum immer ich, kämpfen muss, um meine Rechte durchsetzen zu können. Ist es wirklich notwendig? Hier werde ich von meinem gewissen eingeholt. Bin ich vielleicht ein Egoist, denke ich den nicht an die Menschen, die Nacht für Nacht auch wach werden. Sei es wegen dem Säugling, einem kranken Familienmitglied oder weil sie selber krank sind und vielleicht nicht schlafen können.

Also stelle ich realistisch fest, ich bin nicht die einzige und teile dieses Schicksal mit vielen.

Ich sitze nun hier und spiele mit dem Gedanken die Geschichte vom, warum immer ich, an dieser Stelle zu beenden. Ein bisschen quält mit jedoch der Gedanke, warum immer ich aufgebe, nachgebe wenn mir ein Ziel unerreichbar scheint. Ist es wirklich nicht doch möglich, dass mir gesteckte Ziel zu erreichen?  Sind mir tatsächlich die Gedanken ausgegangen?

Oder soll ich einfach wieder eine Pause einlegen, mich von der Inspiration leiten lassen? Ich entscheide mich fürs letztere und lege meine Schreibutensilien einfach mal zur Seite und warte auf das nächste, warum immer ich.

Wieder zurück von der Schreibpause.

Und nun nach dieser Inspirationspause, habe ich soeben festgestellt, dass mir die Zeit davon geeilt ist. Es ist der 9. März.  Einsendeschluss ist morgen der 10. März.

Na super, denke ich gerade. Unmöglich das Gesteckte Ziel überhaupt noch zu erreichen. Also gebe ich bei nicht mal die Hälfte des Möglichen Ziels auf. Was würde es bringen, in den nächsten 14 Stunden, dass erreichen zu wollen, was ich in 3 Wochen nicht geschafft habe?

Vielleicht noch die letzte Frage, warum immer ich, so verdammt überzeugt sein kann. Wenn man was erreichen will, schafft man es auch. Der beste Beweise ist doch nun diese meine Geschichte. Gesetztes Ziel nicht erreicht. Sollte ich nun Künstlerpech schreiben?

Wäre das nicht übertrieben?  Schliesslich  bin ich alleine Schuld daran. Oder begreife ich erst jetzt, warum viele Künstler, Schriftsteller, manchmal Wochen-, jahrelang an einem Werk sitzen, bis es vollendet ist.

Kann es nicht auch sein, dass sich all diese Künstler fragen. Warum immer ich?  

 (c) Gilandra - TR. Bubendorf - Schweiz

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